Chronik

Wappen der ehemaligen Gemeinde Pölling: in Rot eine goldene Tanne zwischen zwei goldenen Sternen, darunter ein silbernes Schildchen mit der Büste eines Jünglings

Wappen der ehemaligen Gemeinde Pölling (seit 1963)

Schon gewusst? Pölling ist älter als Neumarkt: Unser Ort wird bereits 1068 in einer Urkunde des Klosters St. Emmeram erstmals erwähnt („Mazil de Pollingan“) – Neumarkt erst rund 90 Jahre später, um 1160.

Zum Weiterlesen: Die Stadtteilchronik Pölling

Die folgende Zeittafel stammt aus dem Jahr 1994. Wer tiefer in die Geschichte unseres Ortes eintauchen möchte, findet sie ausführlich in der zweibändigen Stadtteilchronik „Pölling. Streifzug durch die Geschichte eines Stadtteils“, herausgegeben von der Stadt Neumarkt i.d.OPf. und erarbeitet unter der Leitung von Stadtarchivar Dr. Frank Präger gemeinsam mit Pöllinger Heimatforschern:

  • Band 1: Chronik (2021) – die Geschichte Pöllings von den Anfängen bis heute. ISBN 978-3-938545-04-1
  • Band 2: Häuser, Höfe und ihre Besitzer (2018) – die Geschichte der Bauernhöfe, Gastwirtschaften, Handwerker- und Wohnhäuser des Ortes. ISBN 978-3-938545-03-4

Beide Bände sind im Buchhandel und direkt beim Stadtarchiv Neumarkt während der Öffnungszeiten erhältlich.

Die Geschichte unseres Heimatortes Pölling

Geschichtliche Zusammenhänge und historische Ereignisse bis zum Jahr 1994 – zusammengestellt von Martin Gmeich, stellvertr. Mitglied d. Elternbeirates

Vor- und Frühgeschichte

3000 – 1800 v. Chr. – Mittlere bis jüngere Steinzeit: Funde aus Pölling, die sich im Prähistorischen Museum in München befinden, sowie Funde in Stöckelsberg und Sulzbürg belegen eine außerordentlich lange Siedlungsgeschichte in unserem Raum.

1700 – 800 v. Chr. – Bronzezeit: Hügelgräber in Holzheim (bei der neuen Kirche).

600 – 100 v. Chr. – Eisenzeit / Latène: In unserer Gegend siedeln die Kelten. Bedeutsamster Fund: der Goldhelm von Buch b. Etzelsdorf, sowie Ringwallanlagen auf dem Buchberg, Schloßberg bei Rittershof, Ottberg und vor allem Sulzbürg (d. Historiker Schwarz vermutet in allen Orten mit der Endung -bürg, z. B. Heinrichsbürg, eine vorgeschichtliche Burganlage).

100 v. – 300 n. Chr. – Römisches Reich: In unserer Gegend siedelt der germanische Stamm der Naristen, der (vermutlich von den Thüringern) nach Westen abgedrängt wird. Münzfunde auf dem Sulzbürg aus dem 1. Jh. belegen – trotz Limes – rege Beziehungen zu den Römern.

Frühes Mittelalter

529 – Regensburg wird Hauptstadt des Herzogtums Bayern.

531 – Die Franken erobern das Thüringische Reich der Hermunduren. Beginn der Einwanderung der Bayuwaren aus dem Donauraum (Historiker vermuten den ursprünglichen Siedlungsraum der Bayuwaren im Böhmischen Raum, der gleichzusetzen wäre mit dem Siedlungsraum der Markomannen oder Boii – Bezeichnung der römischen Geschichtsschreiber).

673 – Gründung des Klosters St. Emmeram durch den hl. Emmeram, einen angelsächsischen Missionar. Das Kloster St. Emmeram hatte für die Besiedlung und Missionierung des Sulz- und Nordgaues größte Bedeutung (die ältesten schriftlichen Urkunden von Berching, Mühlhausen und Pölling sind Urkunden vom Kloster St. Emmeram in Regensburg).

749 – Gründung des Bistums Eichstätt durch den iro-schottischen Missionar Willibald.

806 – Der Nordgau wird erstmals urkundlich erwähnt als Bestandteil des Reiches von Karl d. Großen. Er errichtet im Abstand von einem Tagesritt sogen. Königshöfe (z. B. Lutrahahof/Lauterhofen und Ingoldestad/Ingolstadt). Karl d. Große wollte bereits mit der Fossa Karolina (Reste sind noch im Altmühltal erhalten) eine Kanalverbindung zwischen Main und Donau herstellen. Man darf davon ausgehen, daß im frühen Mittelalter entlang des Altmühl-, Sulz-, Schwarzach- und Regnitztales, also durch unsere Gegend, eine bedeutsame Verkehrsverbindung bestand, in der auch die Technik einen frühen Einzug hielt (zwischen Neumarkt und Mühlhausen sind um 1280 bereits 7 Mühlen bezeugt).

883 – Erste urkundliche Erwähnung von Berching u. Mühlhausen (St. Emmeram). Aus dieser Zeit stammen auch die ältesten Kirchen unserer Gegend, die mit dem Martinspatrozinium an die früheste Missionsphase erinnern: die Martinskirchen in Lauterhofen, Mühlhausen und Pölling. Die Missionierung erfolgte im Sulztal schon vor der Gründung des Bistums Eichstätt von Regensburg aus.

976 – Kaiser Otto II besiegt den aufständischen Hzg. Heinrich den Zänker von Bayern und trennt die Nordmark von Bayern ab. Das Gebiet von Neumarkt und Pölling ist von da an unmittelbar dem Kaiser unterstellt.

977 – Nach mündlicher Überlieferung und nach einer unbelegten Beschreibung des Historikers Löwenthal im Jahr 1805 soll die Gründung des jetzigen Ortes Pölling durch einen Sippenältesten Pollo erfolgt sein.

um 1000 – Im Sulzgau herrscht ein mächtiger Graf mit Namen Berengar – vielleicht Namensgeber für Berngau, Bernfurter Mühle, Bernbrand, Berntal bei Pilsach?

Hoch- und Spätmittelalter

1068 – Erste urkundliche Erwähnung von Pölling in einer Urkunde des Klosters St. Emmeram unter Abt Ruprecht (1068–1080): „… Mazil de Pollingan …“ (in derselben Urkunde wird auch ein Edler Buolo genannt, der Güter in Trautmannshofen und Litzlohe dem Kloster Emmeram übergibt).

1160 – Erste urkundliche Erwähnung von Neumarkt (Zeit der Kreuzzüge).

1181 – Herzog Otto von Bayern nimmt in Neumarkt die Huldigung der örtlichen Edlen entgegen, u. a. Schultheiß Wigbold von Bellungen.

1183 – Erste urk. Erwähnung von Berngau (zum Kloster Waldsassen gehörig); etwa zur gl. Zeit wird auch Pelchenhofen als Pellinghofen bezeichnet.

1190 – Wigbold von Bellingen ist Schultheiß in Nürnberg (1050 erstmals erwähnt) – die Zeit von Richard Löwenherz v. England und Robin Hood.

1249 – Ulrich von Bellingen unterzeichnet als Zeuge den Stiftungsbrief von Seligenporten, in welchem die Güter von Pölling, vorher im Besitz der Leuchtenberger, in den Besitz des Klosters Seligenporten übergehen.

1252 – Eberhard von Bellingen hatte von Wolfstein ein Lehen.

1254 – Am 14. Januar übergibt Gottfried v. Sulzbürg sein ererbtes Patronatsrecht über die Pfarrei Pölling an Seligenporten.

1254 – 1273 – Weitere Urkunden, sogar die eines Papstes, bestätigen den Verkauf der Pöllinger Güter an das Kloster Seligenporten.

1269 – Ende der Reichsfreiheit, der Nordgau fällt an den Wittelsbacher Ludwig II., den Strengen.

1278 – Plebanus de Belling, erster urkundlich genannter Pfarrer von Pölling.

1280 – Bayerisches Herzogsurbar: eine genaue Aufzählung aller Orte und Besitzungen des Herzogtums Bayern.

1293 – Ulrich, Heinrich und Wigbert v. Bellingen sind in einer Urkunde als Brüder bezeichnet.

1301 – König Albrecht belagert Neumarkt, scheitert aber.

1330 – Rittershof wird erstmals erwähnt.

1331 – Neumarkt und die Gebiete der oberen Pfalz fallen an die Pfälzische Linie der Wittelsbacher.

1359 – Teilung des Wolfsteinischen Besitzes: Albrecht d. J. und Gottfried von Wolfstein erhalten u. a. Güter in den Orten Pölling und Zugehörungen zu Heinrichsbürg.

1364 – Ritter Eppelein v. Gailingen treibt sein Unwesen in der Gegend und wird nach einem vergeblichen Versuch der Nürnberger schließlich in Neumarkt hingerichtet.

1373 – Ritter Heinrich u. Wilhelm von Lotterbecken verpfänden die Heinrichsbürg.

1390 – Hermann Hartung, ein Neumarkter Bürger, besitzt ein Gut in Pölling, das der Bauer Merkel Lawer bewirtschaftete (aus dem Lechtenberger Lehenbuch).

1407 – Ulrich Kurzenhofer auf der Heinsburg kauft ein Gut zu Loderbach.

1420 – Beim Bau der Stadtpfarrkirche in Neumarkt werden Steine aus einem Steinbruch beim Heinrichsbürg verwendet.

1467 – Stiftung einer Frühmesse in Pölling.

1490 – Eine Musterungsliste der alten Hofmark Berngau nennt einen Mann aus Pölling mit Namen Romung.

16. und 17. Jahrhundert

16.5.1503 – Ein Bauer schreibt an den Dekan Johann Leitgeb in Pölling einen Brief, in welchem er drohte, die Geistlichkeit an Leib und Gut anzugreifen, und unterzeichnete: Kunz Steinl mit der Wilden Rotte (die Bauernkriege 1517–1525 berührten aber Pölling nicht weiter).

1.8.1504 – Im Bayerisch-Landshuter Erbfolgekrieg zünden die Nürnberger Söldner nach einer erfolglosen Belagerung Neumarkts das Dorf Pölling, die Heinrichsbürg, die Heimburg, das Schloß Grünberg und andere Gehöfte an (die Heinrichsbürg war in dieser Zeit ein Jagdschloß der Neumarkter Pfalzgrafen).

22.10.1512 – 22 Söldner aus Nürnberg überfallen eine Gerichtssitzung in Pölling, um Hugo Stöhr, Pfleger auf dem Wolfstein, gefangen zu nehmen.

1535 – Die bislang ältesten handschriftlichen Zeugen: eine Steuerliste der Pöllinger Bauern, teilweise mit Nennung der Flurnamen.

1545 – Einführung der Reformation in Pölling.

1563 – Beginn der Pfarrmatrikel in Pölling; einige Beispiele daraus:
9.4.1564: Heinrich Poppem von der Heingsburg bringt sein Kind Georg zur Taufe und am 16.11.1565 seinen zweiten Sohn Johannes (die Heinrichsbürg wurde offenbar nach dem Brand vom 1.8.1504 wieder aufgebaut und war noch bis zum 30jähr. Krieg bewohnt).
19.12.1568: Konrad, Herzog von Coburg läßt seinen Sohn, der in Pölling oder auf der Heinrichsbürg zur Welt kam, auf den Namen Stephan taufen.
7.9.1568: Utz Mettel, der Lehrer allhier, läßt seine Tochter Magarete taufen.
8.1.1571: Bernhart Volpreil, Förster auf der Heingspurg, läßt seine Tochter taufen.

1589 – Drei Pöllinger Bauern, Mich. Mayr, Hans Hering u. Fellhorn, erhalten 6 Gulden für ihren Dienst beim Umzug des Dr. Mathäus Feldweger in Neumarkt.

1611 – Das Brigittinenkloster Gnadenberg erhält 11 Pöllinger Güter aus dem Besitz des Klosters Seligenporten.

1618 – 1648 – Dreißigjähriger Krieg: 1626 wird in Pölling wieder die katholische Religionsausübung eingeführt.

1631 – König Gustav Adolf belagert die Stadt Neumarkt, sein Hauptquartier hatte er in Pölling.

1633 – Große Kriegsnöte durch die Schweden; 1634 große Hungersnot in Pölling.

1635 – Die Pest wütet besonders schlimm in Neumarkt und Pölling, zwei Drittel der Bevölkerung werden dahingerafft.

1648 – Der zuchtlose Heerhaufen von General Königsmark wütet in unserer Gegend mit Sengen und Brennen.

1699 – Auf der Pöllinger Höhe wird eine kleine Rastkapelle U.L.F. Ruhestatt von dem Leprosen Ehrhard Reng gestiftet, die bis Ende des 18. Jh. bestand.

18. und 19. Jahrhundert

1703 – März bis April: Die Truppen des kaiserlichen Feldmarschalls Herrmann Otto, Graf von Limburg-Styrum belagern Neumarkt, die Hauptkräfte und das Hauptquartier befinden sich in Pölling (die Zeit der Türkenkriege u. von Prinz Eugen).

1744 – Kaiserliche Soldaten sind in Pölling einquartiert (Spanischer Erbfolgekrieg).

1771 – Hans Georg Haubner stiftet ein „nächtliches Geläut für Verirrte“.

1772 – Pfarrer Kees legt ein Pfarrbuch an, in welchem er über 20 Jahre lang alles Wissenswerte über die Pfarrei Pölling und die Landwirtschaft zu seiner Zeit niederschreibt (Peter Zürcher hat darüber eine Facharbeit verfaßt).

1796 – Der französische General Bernadotte erobert Neumarkt, die französischen Soldaten plündern das Dorf Pölling aus und zünden es an („die Leute glauben sich in die Hölle versetzt“). Am 23. August greifen die Österreicher, von Berching kommend, an – der Torschmied Veit Josef Jung verhindert das Schlimmste, indem er das obere Tor unter Lebensgefahr den Österreichern öffnet.

1796 – 1825 – Die Pöllinger Pfarrkirche steht ohne Turm da.

1807 – Ende der Leibeigenschaft der Bauern in Bayern.

1833 – Die Gemeinde Pölling baut das Schulhaus.

1858 u. 1881 – Erweiterungen des Friedhofs.

1871 – Ankauf einer Feuerlöschpumpe.

1883 – Pölling erhält ein neues Geläut, 1891 eine Turmuhr.

1896 – Pölling erhält eine Haltestelle an der schon in den 60er Jahren gebauten Bahnstrecke Nürnberg–Regensburg. Am 1. Mai um 5.30 Uhr hält der erste Zug in Pölling, um 15 Uhr der zweite aus der Gegenrichtung, und wird feierlich empfangen; die Gemeinde stiftete aus diesem Anlaß 2 Hektoliter Freibier (siehe Eisenbahn-Chronik).

20. Jahrhundert

1905 – Errichtung einer öffentlichen Telefonzelle durch die Gemeinde im Haus Nr. 95 beim Krämer und Schuhmacher Schmid.

1906 – Beginn des Wasserleitungsbaues. Am 5.12.1909 fand die feierliche Einweihung statt.

1911 – Neubau des Pfarrhofes.

1920 – Trennung von Kirche und Schule. Das Grundstück, das der jeweilige Lehrer als Mesner zur Nutzung hatte, wurde der Kirchenstiftung zur alleinigen Nutzung übergeben.

1923/24 – Versorgung der Gemeinde mit elektrischem Licht.

1926 – Abbruch des alten und Neubau des Feuerwehrrequisitenhauses auf dem früheren Anwesen Wild / Haus Nr. 59.

1928 – Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung.

1932 – Am 17.4.1932 stirbt Martin Knipfer, der 32 Jahre der Gemeinde Pölling als Bürgermeister diente.

1934/35 – Bau eines neuen Gotteshauses. Bei den Grabarbeiten wurde an der Stelle, wo heute die Kanzel steht, eine Gruft entdeckt, von der bisher nichts bekannt war. In der Gruft befand sich ein mumifizierter Leichnam, der ein grünes Kleid trug. Als man ihn anrührte, zerfiel er. Es konnte nicht festgestellt werden, um wen es sich handelte. Die Inschrift und Jahreszahl auf der Grabplatte waren unleserlich.

1945 – Am 17. April wird Pölling von den amerikanischen Truppen besetzt. Zwei Pöllinger, der Schujaschneider Sepp (Schmid Josef) und etwas später der Becken Moatl (Feihl Martin), gehen den Amerikanern mit einer weißen Fahne entgegen und bitten darum, den Beschuß des Ortes mit Artillerie aus Richtung Berg zu beenden. Sie übergeben den Ort auf eigene Verantwortung, obwohl sich noch ungarische SS in Pölling befindet. Diese Szene ist auch in dem Film eines amerikan. Kriegsberichterstatters mit dem Titel „Bayern 1945 – Chronik in Momentaufnahmen“ festgehalten. Insgesamt werden in Pölling durch Kriegseinwirkung acht Wohngebäude und 15 Scheunen zerstört.

1949 – Bau eines Feuerlöschteiches u. eines Feuerwehrgerätehauses. Erneuerung des alten 1971 angelegten Feuerlöschteiches bei Haus Nr. 107.

1950 – Bau eines Feuerwehrgerätehauses im Anschluß an das Lagerhaus des Darlehenskassenvereines Pölling.

1951 – Feierliche Glockenweihe für sechs neue Glocken am 23. September.

1951 – Dritte Erweiterung des Friedhofs nach Norden hin.

1954 – 1958 – Erweiterung der im Jahr 1909 erbauten Wasserversorgung. Bau eines Tiefbrunnens mit Pumpenhaus und eines 300 cbm fassenden Hochbehälters.

1953 – Bau eines kleinen Schulgebäudes mit zwei Klassen.

1963 – Neubau eines Schulgebäudes mit sechs Klassen.

1963 – Die Gemeinde Pölling erhält ein Wappen: „In Rot eine oben von je einem sechsstrahligen goldenen Stern begleitete goldene Tanne, deren Stamm ein silbernes Schildchen mit der blau gekleideten Büste eines Jünglings mit Lockenhaar aufgelegt ist.“

1964 – 1972 – Beginn der Kanalisation in drei Bauabschnitten mit Anschluß an die Sammelkläranlage in Neumarkt.

1970 – Neubau eines modernen Kindergartens.

1970 – 72 – Ankauf eines Feuerwehrautos und Neubau des jetzigen Feuerwehrgerätehauses an der B 8.

1972 – Durch die Gebietsreform verliert die fast 1000 Jahre alte Gemeinde Pölling ihre Selbständigkeit. Der letzte Pöllinger Bürgermeister, Josef Ochsenkühn, der 24 Jahre die Gemeinde Pölling leitete, übergibt die Verwaltung an die Stadt Neumarkt.

1972 – Bau einer Mehrzweckturnhalle bei der neuen Schule.

1973 – Anbindung Pöllings an das Neumarkter Wassernetz über Rittershof.

1976/77 – Neuanlage des Friedhofs am Höllbachweg (in der Nähe des ehemaligen Pestfriedhofes Sebasti).

1975 – 82 – Erschließung des Baugebietes Dianastraße.

1978 – Ausweisung des Baugebietes Pölling Ost mit einer Fläche von 7,9 ha für 65 Bauplätze.

1982 – Ausweisung des Baugebietes Pölling Bühl mit einer Fläche von 20,5 ha für 196 Bauplätze.

1978 – 85 – Flurbereinigung in Pölling (es besteht die Gefahr, daß jahrtausendealte Flurnamen in Vergessenheit geraten).

1980 – Bau der Bahnunterführung nach Rittershof.

1985 – 1. Bauabschnitt des äußeren Ringes um Neumarkt (Pölling/Holzheim/Blomenhof).

1987 – Neuanlage eines 3. Sportplatzes und Neubau eines Sportheimes; Neubau einer Brücke über den Meierbach.

1987 – Ankauf einer neuen Barockorgel für die Pfarrkirche Pölling.

1989 – Die Pfarrkirche erhält eine neue Bestuhlung.

1991 – Neubau des Charité-Hauses beim Pfarrhaus.

1993 – Im Juli wird der Gänselieslbrunnen an der B 8 durch den Gartenbauverein aufgestellt.

1993 – Am 22.10. wird der Neubau eines Schulhauses mit vier Klassen eingeweiht.

1994 – Im Juli Einweihung der Hochzeitsallee des OGV Pölling.

Pölling in Zahlen

Bedingt durch seine verkehrsgünstige Lage hat sich Pölling in den letzten Jahrzehnten zu einem ansehnlichen Ort entwickelt. Die Gemeinde Pölling umfaßte eine Gesamtfläche von 1065 Hektar.

Volkszählung Einwohner Häuser
1813 539 87
1939 758 107
1950 1032 –
1960 1253 –
1970 1692 über 350

Die wichtigsten Nachschlagewerke für die Geschichte von Pölling

  • Karl Ried: Neumarkt (z. Z. nicht im Handel)
  • B. Heinloth: Historischer Atlas von Bayern – Teil Altbayern – Neumarkt, 1963
  • Die Pöllinger Pfarrmatrikel (ab 1563)
  • Pfarrer Kees: Das Pöllinger Pfarrbuch (1772–1792)
  • Bürgermeister Ochsenkühn: Chronik der Gemeinde Pölling
  • Reichsfreiherr von Löwenthal: Die Geschichte des Schultheißenamtes Neumarkt, 1805
  • Werner Stein: Der große Kulturfahrplan, Herbig Verlag, 1993

Eisenbahn-Chronik

1896 erhält die Gemeinde Pölling nach mehreren Gesuchen eine Haltestelle für Lokalpersonenzüge. Bereits 25 Jahre zuvor, am 1. Dezember 1871, wurde die Strecke Nürnberg–Regensburg in Betrieb genommen. Für die Verbindung Nürnberg–Neumarkt waren zu Beginn nur die Halteplätze Postbauer, Feucht, Dutzendteich und Ochenbruck geplant. 1894 wurde Fischbach eingerichtet. Im gleichen Jahr wurde die Haltestelle Rübleinshof, heute Burgthann, aufgenommen. In der Zeit von 1894 bis 1896 erhielt die gesamte Strecke, die bis dahin nur eingleisig zu befahren war, ein zweites Gleis.

Am 1. Mai 1896, früh um ½ 6 Uhr, hält der erste Zug in Pölling. Bereits die ganze Einwohnerschaft mit der fähnchenwinkenden Schuljugend war an der Stelle. Die Lokomotive war reichlich mit Kränzen geschmückt. Den Lokomotiv- und Zugführern wurde ein Frühschoppen verabreicht. In gleicher Weise wurde der um 3 Uhr von Nürnberg kommende Zug feierlich empfangen. Die Gemeinde gab aus diesem Anlaß zwei Hektoliter Freibier aus der Gemeindekasse.

Der Pfarrer Elmer hatte sich besonders für diese Personenhaltestelle eingesetzt. Der Zuspruch war auch dementsprechend gut. Der Jahresbericht von 1896 berichtet von 1276 „abgegangenen“ beförderten Personen und von 1307 „angekommenen“ beförderten Personen. Insgesamt stiegen also in diesem Jahr 2583 Personen auf dem Pöllinger Bahnhof aus und zu. Es wurden auch Tiere befördert: Der Jahresbericht von 1896 nennt 3 Schweine und 1 Rindvieh.

Ein Brief im Zusammenhang mit der königl. bayer. Eisenbahn

Pölling, 11. Jäner 1898

An die hohe K. Generaldirektion
der Königlich-bayer. Eisenbahn- und
Verkehrsanstalten in München

Betreff:
Ehrerbietigstes Bittgesuch der Gemeinde Pölling und Umgebung mit Anschluß von Rübleinshof und Umgebung um allergnädigste Genehmigung zum Anhalten der Personenzüge nach Bedarf.

Nachdem nunmehr das Haltestellengebäude in Pölling aufgeführt und durch die Schienenverlegung bestätigt worden ist und seit der Errichtung der Haltestelle ein Zeitraum von fast zwei Jahren verstrichen ist, ohne daß eine Verkehrsstörung eingetreten wäre, so sieht man sich veranlaßt, der hohen königl. Generaldirektion neuerdings eine Bitte zu unterbreiten und diese mit nachstehenden Gründen zu motivieren:

  1. daß die Bedürfnisfrage zur Errichtung einer Haltestelle in Pölling wirklich gegeben war, dürfte daraus hervorgehen, daß seit Bestehen derselben von Neumarkt nach Pölling ca. 2000, von Pölling nach Neumarkt ca. 800, von Pölling nach Nürnberg ca. 400 Fahrkarten gelöst wurden. Hiezu kommen noch die Retourbilletten von Neumarkt nach Pölling, die einfachen von Pölling nach Neumarkt und sämtliche gelösten Karten nach anderen naheliegenden Stationen. Auch der Transport von Kleinvieh und Viktualien nach Nürnberg ist nicht unbedeutend.
  2. daß die Frequenz verhältnismäßig eine geringe ist, verursachen die ungünstigen Zeitverhältnisse der Lokalzüge: In hiesiger Haltestelle halten täglich 4 Züge an, nämlich 2 von Neumarkt nach Nürnberg und 2 von Nürnberg nach Neumarkt. Von diesen 4 Zügen können fast nur die beiden Nachmittagszüge benützt werden, indem der eine zu früh, im Sommer um ½ 5 Uhr nach Nürnberg abfährt und der letzte zu spät in Pölling eintrifft (nachts ¾ 1 Uhr). Diese beiden Züge sind für Pölling fast gegenstandslos. Und nun die beiden Nachmittagszüge: Der erste fährt Sommer wie Winter von Pölling nach Neumarkt ab nachmittags 3 Uhr 10 Minuten. Früher nach Neumarkt zu kommen, dazu ist keine Gelegenheit geboten, obwohl bei Amt, Gericht, Wochenmarkt, Schranne, Viehmarkt etc. die Hauptgeschäfte sämtliche nur vormittags getätigt werden können. Den Frühzug nach Regensburg oder Beilngries – Freystadt zu benutzen, ist wieder unmöglich. D. h. also, wenn man den Zug benützen wollte, so ist hierzu keine Gelegenheit geboten. Günstiger für Pölling ist der Zug von Neumarkt nach Nürnberg nachmittags 5 Uhr im Winter und ½ 7 Uhr im Sommer.
  3. Die ganze Haltestellenanlage in Pölling samt zweimaliger Schienenverlegung verursachte namhafte Kosten. Wenn nun bedeutende Aufwendungen gemacht wurden, so wäre doch sicherlich auch eine entsprechende Rentabilität wünschenswert. Diese könnte nur durch Anhalten der Personenzüge erzielt werden. Die seinerzeit so viel genannten ungünstigen Terrainverhältnisse bieten kein wesentliches Hindernis, denn tatsächlich haben in Pölling infolge hier nicht näher zu erörternder Ereignisse nicht nur die Lokal- sondern auch schon die Post-, Güter- und Schnellzüge anhalten müssen, ohne daß dieses selbst, sowie das Wegfahren bedeutende Schwierigkeiten verursacht hätte. Von hier nach Neumarkt ist eine Wegstunde, die hiesige Bevölkerung ist gezwungen, die meisten Bedürfnisse in Neumarkt zu decken, auch Arzt und Apotheke befinden sich dortselbst.
  4. Aus hiesiger Ortschaft besuchen beständig mehrere Knaben (zur Zeit drei) die Realschule und etl. Mädchen – lutherischer Religion – die Volksschule zu Neumarkt. Für diese wäre die Benützung des Frühzuges nach Neumarkt bei schlechter Witterung sehr wünschenswert. Weiter wird noch angeführt, daß Pölling von Geschäftsleuten und Ausflüglern von Neumarkt sehr häufig besucht wird. Speziell diesen Personen ist die Benützung des Zuges absolut unmöglich, nachdem der eine zu spät hier eintrifft und der andere zu spät von hier abgeht. Die Bewohner von hier und Umgebung sind äußerst dankbar für die allergnädigste Errichtung der so sehnlichst erwünschten Haltestelle, behaupten aber mit Recht, daß die Schaffung derselben nur eine halbe Gnade sei.

Die dankbarste ergebenste Gemeinde Pölling mit Umgebung wagt es aus den angeführten Gründen und in der Absicht, eine bessere Rentabilität herbeizuführen, noch einmal die ganz gehorsamste Bitte zu stellen: Eine hohe königliche Generaldirektion der Königl. Bayer. Eisenbahnen- und Verkehrsanstalten in München wolle allergnädigst die Genehmigung gewähren, wie in Batzhausen, so auch in Pölling die Personenzüge nach Bedarf halten zu lassen.

In tiefster Ehrfurcht verharrend

Die ganz gehorsamste Gemeinde Pölling mit Umgebung.

Die Chronik im Original zum Herunterladen: Chronik von Pölling (PDF)